Catlife

Warum lebe ich vegan?

Seit 1988 esse ich kein Fleisch mehr. Lange Jahre habe ich mich vegetarisch ernährt, dazwischen gab es einige wenige Jahre, in denen ich zum Teil noch Fisch gegessen habe, weil man mir eingeredet hat, ich bräuchte es für meine Gesundheit.
Aber meine Knieschmerzen wurden nicht besser, egal ob mit oder ohne Fisch. Ja, je tiereiweißreicher mein Essen war, umso stärker waren die Schmerzen. Noch dazu muss ich meinen Cholesterinspiegel im Auge behalten, denn obwohl in unserer Familie alle schlank sind und wenig Fleisch essen, neigen wir wohl zu erhöhten Cholesterinwerten.

Vegane Ernährung spukte schon länger in meinem Kopf herum, nicht nur aus gesundheitlichen, sondern vor allem auch aus ethischen Gründen. Wie kann man sich Tierschützer oder Tierfreund nennen und gleichzeitig Tiere ausbeuten? Auch Bio bedeutet nicht, dass die Tiere es wirklich gut haben oder nicht im Schlachthaus landen. Wie schlimm ist es für eine Kuh, wenn man ihr direkt nach dem Kalben ihr Kind wegnimmt. Wie furchtbar ist es, dass männliche Küken vergast oder lebendig geschreddert werden, weil sie "unbrauchbar" sind. Zum Weiterlesen möchte ich folgende Links empfehlen (im Internet oder in Buchhandlungen ist wesentlich mehr darüber zu finden, dies nur als kleine Auswahl):

http://www.provegan.info (Laden Sie sich die Broschüre herunter, sie ist wirklich gut gemacht)
http://www.nmbiking.de/zwanzig.htm
http://www.peta.de/web/warum_vegan.71.html

Warum habe ich meine Ernährung aber nicht schon längst umgestellt?

Zu lange habe ich geglaubt, eine gesunde und ausgewogene Ernährung wäre vegan nicht möglich. Mittlerweile bin ich schlauer, viele alte Aussagen sind überholt bzw. widerlegt (z. B. dass Milchkonsum Osteoporose verhindert) und ich selbst gestalte meinen Speiseplan so abwechslungsreich, dass ich bis auf Vitamin B12 (das muss tatsächlich supplementiert werden, aber selbst unter Fleischessern gibt es viele Menschen mit Vitamin B12-Mangel) alle lebensnotwendigen Vitamine und Mineralstoffe mit meiner normalen Nahrung zu mir nehme. Vermutlich sogar eher als jemand, der "normal" isst.
Ein weiteres Problem ist die Umwelt und daran habe ich leider immer noch zu knabbern. Zum einen gelten Veganer als extrem, sonderlich, besserwisserisch und werden selbst, wenn sie eigentlich gar nicht über ihre Ernährung diskutieren wollen, von anderen schnell angegriffen und in Diskussionen verwickelt. Zum andern will ich es keinem unnötig schwer machen oder mich aus geselligen Runden ausklinken. Aber die meisten angebotenen Speisen enthalten Tierprodukte. Als Vegetarier findet man noch einiges, zumal das vegetarische Angebot auch in Gaststätten insgesamt in den letzten 10 Jahren größer geworden ist. Als Veganer aber hat man oft das Nachsehen, vor allem vegane Kuchen und Torten sind kaum zu finden.

Trotzdem ist es für mich der richtige und konsequente Weg. Deshalb habe ich im Herbst 2011 für mich beschlossen, mich daheim nur noch vegan zu ernähren. Außer Haus gibt es ganz vereinzelt Ausnahmen, aus den oben genannten Gründen. Wenn aber schon nicht vegan, vegetarisch muss es sein.

Und wenn es dem einen oder anderen Veganer nicht konsequent genug erscheint: Es ist mein eigener Weg, meine eigene Entscheidung. Und auch zu 95% tierproduktfrei zu essen ist immer noch besser, als wenn jemand sagt "Ich schaffe das sowieso nicht zu 100%, deshalb mache ich es nicht". Warum immer nur schwarz oder weiß? Nichts auf der Erde ist nur schwarz oder weiß. Versuchen wir einfach, die Welt ein ganz klein wenig zu verbessern. ;-)

Ein wenig vermisse ich, dass es gerade in meinem Alter so wenige Menschen gibt, die ihre Ernährung ähnlich umstellen. Lieber werden Pillen geschluckt gegen diverse Wehwehchen. Weiter Vogel Strauß gespielt und nicht wissen wollen, was in Hühnerfarmen, Mastbetrieben und Schlachthäusern abläuft. Und gegessen wird das, was schon immer gegessen wurde. Warum nicht mal Neues wagen?

Es gibt im Internet bereits viele Blogs von Leuten, die diesen Weg gehen (auch wenn die meisten jünger sind als ich) und lange hatte ich gezögert. 2012 aber habe ich doch einen eigenen Blog ins Leben gerufen: vegan50plus.wordpress.com. Vielleicht gibt es ja den einen oder anderen Besucher dieser Homepage, der dadurch ein wenig ins Nachdenken kommt. Und vielleicht verleiten die Sachen, die ich backe und koche, den einen oder anderen dazu, auch mal einen vegetarischen oder veganen Tag einzulegen.

Erst wenn man mal selbst eine Zeit lang versucht, vegan zu leben, fällt einem auf, wo überall tierische Bestandteile versteckt sind. Und in der Regel stammen diese (aus Kostengründen) aus der Massentierhaltung. Wenn Sie eine Tiefkühlpizza in den Ofen schieben, selbst wenn sie vegetarisch ist, stammt der Käse darauf in der Regel nicht von glücklichen Kühen. Milchschokolade, Kekse, Tütensuppen, die meisten Fertig- und Halbfertiggerichte enthalten tierische Bestandteile (z. B. Rinderbrühe, Gelatine, Eier, Milch, Sahne, tierische Fette), bei denen Sie davon ausgehen können, dass diese von Tieren in der Massentierhaltung stammen. Selbst in Brötchen vom Bäcker sind teilweise tierische Bestandteile enthalten. Wenn Sie unterwegs essen gehen, können Sie davon ausgehen, dass das Fleisch auf Ihrem Teller, aber auch der Käse oder die Sahne im vegetarischen Gericht nicht aus der Biohaltung oder Freilandhaltung stammt. Das ist mir selbst erst richtig bewusst geworden, seit ich vegan lebe, Zutatenlisten studiere und achtsamer geworden bin. Ich sehe mich deshalb nicht als besseren Menschen an, aber ich will meine Ernährung mit meinem Gewissen vereinbaren können und das kann ich momentan nur, wenn ich so weit wie möglich vegan lebe.